Woher kommt eigentlich der Mondhase?

In der chinesischen Folklore erscheint der Mondhase (chinesisch 月兔, Pinyin yuètù) bzw. Jadehase (chinesisch 玉兔, Pinyin yùtù) häufig als Begleiter der Mondgöttin Chang’e, für die er in seinem Mörser das Lebenselixier rührt - auf diese Mondgöttin bezieht sich auch meine Geschichte vom kleinen Mondhasen.

Nach der japanischen (dort als tsuki no usagi) und koreanischen (dort als 달토끼, revidiert: dal tokki) Überlieferung stampft er lediglich die Zutaten für Reiskuchen (Mochi). Der Mörser symbolisiert dabei den Neumond, der die Mondsichel gebiert.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hase_im_Mond)

Aber auch besondere Himmelsphänomene haben in allen Kulturen immer wieder zu Legenden angeregt - vielleicht war es ja der "Hase im Mond", der die Chinesen zu ihrer populären Geschichte von Cháng´é (嫦娥) inspiriert hat, der Frau im Mond.
Der Mondhase findet sich nicht nur in der chinesischen, sondern auch in der japanischen und koreanischen Mythologie. Der Hintergrund ist, dass man auf der Mondoberfläche tatsächlich den Umriss eines Hasen sehen kann, wenn man möchte - auf schlau heißt das dann übrigens "Pareidolie".
Die Figur des Mondhasen ist in verschiedenen Kulturen, insbesondere der ostasiatischen Folklore verbreitet, wo sie in Verbindung mit einem Mörser oder Stampfbottich auftritt.

In Afrika gibt es auch Menschen, die im Mond ein Krokodil oder einen Menschen sehen, der Brennholz auf dem Rücken trägt, in unserer westlichen Kultur dagegen sehen manche einen "Mann im Mond" oder das berühmte "Mondgesicht", gemäß dem alten Kinderspruch: "Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht".


In einem bekannten chinesischen Märchen taucht der Mondhase auch ohne die Mondfee auf, in der Erzählung:

Die Wünsche des Bauern

Es war einmal ein armer chinesischer Reisbauer, der trotz all seines Fleißes in seinem Leben nicht vorwärts kam. Eines Abends begegnete ihm der Mondhase, von dem jedes Kind weiß, dass er den Menschen jeden Wunsch erfüllen kann.

“Ich bin gekommen”, sagte der Mondhase, “um dir zu helfen. Ich werde dich auf den Wunschberg bringen, wo du dir aussuchen kannst, was immer du willst.”

Und ehe er sich versah, fand sich der Reisbauer vor einem prächtigen Tor wieder. Über dem Tor stand geschrieben:  “Jeder Wunsch wird Wirklichkeit”.

“Schön”, dachte der Bauer und rieb sich die Hände, “mein armseliges Leben hat nun endlich ein Ende.” Und erwartungsvoll trat er durch das Tor.

Ein weißhaariger, alter Mann stand am Tor und begrüßte den Bauern mit den Worten: “Was immer du dir wünschst, wird sich erfüllen. Aber zuerst musst du ja wissen, was man sich überhaupt alles wünschen kann. Daher folge mir!”

Der alte Mann führte den Bauern durch mehrere Säle, einer schöner als der andere. “Hier”, sprach der Weise, “im ersten Saal siehst du das Schwert des Ruhms. Wer sich das wünscht, wird ein gewaltiger General; er eilt von Sieg zu Sieg und sein Name wird auch noch in den fernsten Zeiten genannt. Willst du das?”

“Nicht schlecht”, dachte sich der Bauer, “Ruhm ist ein schöne Sache und ich  möchte zu gerne die Gesichter der Leute im Dorf sehen, wenn ich General werden würde. Aber ich will es mir noch einmal überlegen.” Also sagte er: “Gehen wir erst einmal weiter.”

“Gut, gehen wir weiter”, sagte lächelnd der Weise. Im zweiten Saal zeigte er dem Bauern das Buch der Weisheit. “Wer sich das wünscht, dem werden alle Geheimnisse des Himmels und der Erde offenbar.” sagte er.

Der Bauer meinte: “Ich habe mir schon immer gewünscht, viel zu wissen. Das wäre vielleicht das Rechte. Aber ich will es mir noch einmal überlegen.”

Im dritten Saale befand sich ein Kästchen aus purem Gold. “Das ist die Truhe des Reichtums. Wer sich die wünscht, dem fliegt das Gold zu, ob er nun arbeitet oder nicht.” waren die Worte des alten Mannes.

“Ha!”, lachte der Bauer, “Das wird das Richtige sein. Wer reich ist, der ist der glücklichste Mensch der Welt. Aber Moment – Glück und Reichtum sind ja zwei verschiedene Dinge. Ich weiß nicht recht. Gehen wir noch weiter.”

Und so ging der Bauer von Saal zu Saal, ohne sich für etwas zu entscheiden. Als sie den letzten Saal gesehen hatten, sagte der alte Mann zum Bauern: “Nun wähle. Was immer du dir wünschst, wird erfüllt werden!”

“Du musst mir noch ein wenig Zeit lassen”, sagte der Bauer, “Ich muss mir die Sache noch etwas überlegen.” In diesem Augenblick aber  ging das Tor hinter ihm zu und der Weise war verschwunden.

Der Bauer fand sich zu Hause wieder. Der Mondhase saß wieder vor ihm und sprach: “Armer Bauer, wie du sind die meisten Menschen. Sie wissen nicht, was sie sich wünschen sollen, sie wünschen sich alles und bekommen nichts. Was immer sich einer wünscht, das schenken ihm die Götter – aber der Mensch muss wissen, was er will …”
(Quelle unbekannt)

 


Der japanische Glaube an den „Mondhasen“ entspringt übrigens der Shintō-Religion und bezieht sich u.a. auf die Legende „Vom Fuchs, dem Affen und dem Hasen“, die zwar in meinem Buch vom kleinen Mondhasen keine Rolle spielt, die ich aber sehr schön finde:

Vom Fuchs, dem Affen und dem Hasen

"Der Legende zufolge verband einen Fuchs, einen Affen und einen Hasen eine enge Freundschaft. Während sie am Tage in den Bergen miteinander spielten und gemeinsam jagten, verbrachten sie die Nacht gemeinsam im Wald. Der Herr des Himmels, Taishakuten (帝釈天) erfuhr davon und fand dies ungewöhnlich. Er suchte, als alter Wanderer verkleidet, die drei Freunde auf. Er fand sie des Abends am Lagerfeuer und bat sie um etwas zu essen. Der Affe brachte ihm sogleich Nüsse, der Fuchs gab ihm einen Fisch. Der Hase aber fand nichts, was er dem Alten geben konnte. Als der Affe und der Fuchs den Hasen deswegen mit Schmähungen überhäuften, sprang dieser verzweifelt ins Lagerfeuer und rief: „Iss mich!“. Der Herr des Himmels war so gerührt von dieser Geste, dass er den Körper des Hasen wieder herstellte und ihn mit zum Mond nahm, wo er in Taishakutens Tempel begraben wurde. Der Rauch, den der Hase bei seiner Opferung erzeugt hatte, schlug sich auf der glänzenden Mondoberfläche nieder und ahmt noch heute seine Gestalt nach."
Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Tsuki_no_Usagi

Eine andere, chinesische Interpretation dieser Legende des selbstlosen Mondhasens ist die des ...

Jade-Kaninchens

"Eines Tages kamen drei Unsterbliche, die im Himmel lebten auf der Erde. Sie fragten einen Fuchs, einen Affen und ein Kaninchen, jeweils etwas zu essen für sie zu finden. Der Fuchs und der Affe haben sofort etwas für die drei Unsterblichen gefunden, während das Kaninchen nichts bekam. Dem Kaninchen tat es sehr leid für die drei Unsterblichen. Schließlich sprang es ins Feuer und sagte zu den drei Unsterblichen "Esst mich, bitte!!" Die drei Unsterblichen waren tief beeindruckt und bewegt von dem Kaninchen. Sie beschlossen, dem Kaninchen den Titel "Jade Kaninchen" zu verleihen und ließen es Chang'e in den Mondpalast begleiten."
Aus: https://www.chinarundreisen.com/das-mondfest/legenden.htm