Die Legende von der Mondfee Cháng´é (嫦娥)

Eine besondere Rolle in der Geschichte des kleinen Mondhasen spielt die Mondgöttin, die auch Mondfee genannt wird – ihr Name ist Chang-e, und es gibt viele verschiedene Versionen darüber, wie sie einst in den Himmel aufgestiegen ist und schließlich auf den Mond in ihren Palast kam. In früheren Zeiten erzählten die Menschen etwa, Chang'e habe Wolken als Fähre zum Mond genutzt.
Allen Geschichten gemeinsam aber ist, dass sie von ihrem Mann, der ein Held war, das Elixier des Lebens, das ist ein Zaubertrank, der unsterblich macht, getrunken hat, der aber eigentlich für ihn bestimmt war. So wurde sie statt ihres Geliebten unsterblich, musste aber einsam auf dem Mond leben und war sehr traurig, weil sie von ihrem Mann getrennt war. Zum Trost erhielt sie deshalb einen Hasen als Begleiter, der für sie in einem Mörser stets die Kräuter des ewigen Lebens zubereitete.

Übrigens hat China seine Mondsonden nach der unglücklichen Mondfee Chang'e benannt. Am 1. November 2007 und am 1. Oktober 2010 starteten „Chang'e-1“ und „Chang'e-2“ zum Mond und umkreisten ihn. „Chang'e-3“ folgte am 1. Dezember 2013, landete erfolgreich auf dem Mond und setze dort einen Mondrover namens Yutu (Jadehase, 玉兔) ab.


Chang'e und Hou Yi

Vor langer Zeit gab es 10 Sonnen am Himmel. Sie verbrannten alle Pflanzen auf der Erde. Die Menschen starben.
Eines Tages verwendete ein Held, dessen Name Hou Yi war, seinen Bogen und Pfeile, um neun von ihnen abzuschießen. Alle Menschen auf der Erde wurden gerettet.
Eines Tages gab die Königin des Himmels Hou Yi eine Flasche Elixier, die ihn unsterblich machen sollte, aber das Elixier war nur für eine Person wirksam. Hou Yi wollte ein Unsterblicher werden, aber er wollte mehr mit seiner schönen Frau Chang'e zusammenbleiben, so dass er das Elixier nicht trank und seine Frau Chang'e bat es für ihn zu behalten.
Hou Yi wurde immer mehr und mehr bekannt, nachdem er die neun Sonnen abgeschossen hat und mehr und mehr Männer wollten Hou Yi, um ihr Meister zu werden. Die meisten von ihnen wurden von Hou Yi akzeptiert. Nicht jeder Schüler von Hou Yi hatte eine gute Moral. Feng Meng, einer seiner Schüler, wollte sein Elixier ergreifen. Eines Tages ging Hou Yi auf die Jagd mit seinen Schülern, aber Feng Meng stellte sich krank und blieb zu Hause. Nachdem er sicherstellte, dass Hou Yi gegangen war, ging er in Hou Yis Haus und versuchte, Chang'e dazu zu bringen ihm das Elixier zu geben. Chang'e wusste, dass sie Feng Meng nicht besiegen konnte und trank sofort das gesamte Elixier. Das Elixier machte sie zu einer Unsterblichen und sie flog höher und höher. Schließlich stoppte sie auf dem Mond.
Von da an beteten die Menschen oft zu Chang'e für Glück und Sicherheit. Während des Mid-Herbst Festivals bieten sie Chang'e viele Lebensmittel an.

Aus: https://www.chinarundreisen.com/das-mondfest/legenden.htm


Eine sehr poetische Version der vielen Mondfee-Geschichtenvariationen stammt aus Richard Wilhelms Buch „Chin. Volksmärchen“:

Zur Zeit des Kaisers Yau lebte ein Fürst, namens Hou I., der war ein starker Held und ein guter Schütze. Einst gingen zehn Sonnen am Himmel auf, die schienen so hell und brannten so heiß, dass die Menschen sie nicht aushalten konnten. Da gab der Kaiser dem Hou I. den Befehl, nach ihnen zu schießen.

Der schoss nun neun von den Sonnen herunter. Er hatte aber auch ein Pferd, das war so schnell, dass es den Wind einholen konnte. Er setzte sich darauf und wollte auf die Jagd. Da rannte das Pferd davon und ließ sich nicht mehr halten. So kam er an den Kunlun-Berg und sah die Königin-Mutter am Jaspis See. Die gab ihm das Kraut der Unsterblichkeit. Das nahm er mit nach Hause und verbarg es im Zimmer. Er hatte eine Frau, Tschang O. Die naschte davon, als er einmal nicht zu Hause war und sogleich schwebte sie zu den Wolken empor. 

Wie sie beim Mond angekommen war, da lief sie in das Schloss im Mond und lebt seither als Mondfee.

Ein Kaiser aus dem Hause Tang saß einmal in der Mitherbstnacht mit zwei Zauberern beim Wein. Der eine nahm eine Bambusstange und warf sie in die Luft; die wandelte sich zur Himmelsbrücke, und nun stiegen die drei zusammen zum Mond hinauf. Da sahen sie ein großes Schloss, darauf stand geschrieben: „Die weiten Hallen der klaren Kälte“. Ein Kassiabaum stand daneben, der blühte und duftete, dass die ganze Luft von seinem Duft erfüllt war. Ein Mann saß auf dem Baum, der mit einer Axt die Nebentriebe abhieb. Der eine Zauberer sprach: Das ist der Mann im Monde. Der Kassia-Baum wächst so üppig, dass er mit der Zeit den ganzen Glanz des Mondes beschatten würde. Darum muss er alle tausend Jahre einmal abgehauen werden.“

Dann traten sie in die weiten Hallen. Silbern türmten sich die Stockwerke übereinander. Die Säulen und Wände waren alle aus Wasserkristall. Es waren Käfige da und Teiche; darinnen waren Fische und Vögel, die bewegten sich wie lebend. Die ganze Welt schien aus Glas zu sein. Während sie nach allen Seiten Umschau hielten, trat die Mondfee auf sie zu in weißem Mantel und regenbogenfarbenen Gewand. Sie sprach lächelnd zum Kaiser: „Du bist der Fürst ein Fürst der Welt des Erdenstaubs. Du musst Glück haben, dass du hierher gelangen konntest.“ Damit rief sie ihre Dienerinnen, die kamen auf weißen Vögeln herangeflogen und sangen und tanzten unter dem Kassiabaum. 

Reine, klare Klänge tönten durch die Luft. Neben dem Baume aber stand ein Mörser aus weißem Marmelstein. Ein Hase aus Jaspis zerstieß darinnen Kräuter. Das war die dunkle Hälfte des Monds. Als der Tanz zu Ende war, da kehrte der Kaiser mit den Zauberern wieder zurück. Er ließ die Lieder, die er im Monde gehört hatte, aufzeichnen und zur Begleitung von Jaspisflöten im Birnengarten singen.

Aus: https://de.wikisource.org/wiki/Die_Mondfee